Patentierter Standbodenbeutel: Der ökologische Alleskönner

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Werner & Mertz ist ein weiterer Meilenstein im Rahmen der Recyclat-Initiative für eine echte Kreislaufwirtschaft gelungen: Der weltweit erste vollständig recycelfähige Beutel aus Monomaterial (Polyethylen) mit abnehmbarer Banderole nach den Cradle to Cradle®-Prinzipien. Das neuartige und patentierte Beutelkonzept ist das Resultat eines vierjährigen Gemeinschaftsprojekts von Werner & Mertz mit dem globalen Verpackungs- und Papierkonzern Mondi und löst das Problem des Recyclings bedruckter Kunststoffe: Rund 85% des gesamten Verpackungsmaterials sind unbedruckt. Das heißt, das Material lässt sich ohne Qualitätsverlust hochwertig recyceln. Doch auch die restlichen 15%, die bedruckte Banderole, ist voll recycelbar, da sie frei von Klebstoffen und Haftvermittlern ist, und so in neue Anwendungen zurückfließen kann. Die vollständige Recyclingfähigkeit des Beutels wurde erst vor Kurzem von den unabhängigen Instituten cyclos-HTP und Interseroh ausgewiesen. Interseroh bescheinigte dem Standbodenbeutel eine „sehr gute Recyclingfähigkeit, die nicht weiter optimiert werden kann“.

Zertifikat

Reduce-Reuse-Recycle:

Der patentierte Standbodenbeutel ist die erste Verpackung, die vollständig auf die drei Ziele Reduce-Reuse-Recycle einzahlt: der Beutel kann komplett wiederverwertet werden - das Plastik bleibt also im Kreislauf (Recycle). Darüber hinaus spart der Beutel im Vergleich zu einer Flasche der gleichen Inhaltsmenge bis zu 70% an Verpackungsmaterial ein (Reduce). Und schließlich kann dank der Nachfüllpackungen die Originalflasche immer wieder aufgefüllt werden (Reuse). Eine weitere Besonderheit: Die Originalflaschen der Werner & Mertz Consumer-Marke Frosch bestehen bereits zu 100% aus Altplastik aus haushaltsnahen Sammlungen.

Preisgekrönte Innovation

Seit November 2019 sind die ersten Nachfüllbeutel aus Monomaterial für die Marke Frosch im Handel und bereits jetzt ist die Innovation mit renommierten Preisen ausgezeichnet worden:

2019 überzeugte das Beutelkonzept die hochkarätige Jury des Deutschen Verpackungspreises:

„Große Herausforderungen unserer Zeit sind Verpackungsentwicklungen, die perfekt auf die Kreislaufwirtschaft abgestimmt sind. (…) Der Beutel präsentiert eindrucksvoll, was schon heute bei einem konsequenten Design für Recycling umsetzbar ist“, so das Urteil des Expertengremiums zum Standbodenbeutel, der in der Kategorie Nachhaltigkeit ausgezeichnet wurde.

Im Rahmen der Messe Interpack wird der Standbodenbeutel mit dem internationalen WorldStar Packaging Award in Düsseldorf geehrt. „Der hochinnovative, zu 100 Prozent recycelbare Beutel nimmt mehrere Sortier- und Recyclinghürden auf dem Weg zu echter Recyclingfähigkeit. […] Das ist Cradle-to-Cradle!“ – begründet die Wettbewerbsjury der World Packaging Organization (WPO) ihre Entscheidung.

Beutelkonzept revolutioniert die Recyclingbranche

Technisches Konzept und Design des Beutels entstanden im sogenannten „Reverse Engineering“, dem Konstruieren vom Ende des Produktzyklus her. Dabei wurden alle Stakeholder der Wertschöpfungskette involviert. So konnte eine Verpackung geschaffen werden - perfekt auf Recyclingprozess und Kreislaufwirtschaft abgestimmt. Die Entwicklung des Standbodenbeutels hatte dabei sogar Einfluss auf die Konzeption der Sortieranlagen. Denn für sogenannte Folienstücke kleiner als die Größe A4 gab es bisher keine Sortier- und Verwertungsmöglichkeit, die Folien wurden stattdessen einer thermischen Verwertung zugeführt. „Dabei macht der Folienanteil im Gelben Sack ca. 40 % aus und birgt damit enormes Potenzial, das bisher nicht genutzt wird! Im Sinne des „Design for Recycling“ war es uns deshalb wichtig, nicht nur einen theoretisch vollständig recycelbaren Standbodenbeutel zu entwickeln, sondern auch tatsächlich die praktische Umsetzung des Recyclings garantieren zu können“, so Verpackungsentwickler Immo Sander. Deshalb wurde während der mehrjährigen Entwicklungsarbeit immer wieder Rücksprache mit Herstellern von Sortieranlagen und -aggregaten gehalten, um eine separate Sortierung und Wiederaufbereitung zu garantieren.

Ausblick:

Im Laufe des Jahres 2020 wird Werner & Mertz all seine Beutel der Marke Frosch auf das neuartige Konzept umstellen und das Angebot auf seine Professional-Marke green care PROFESSIONAL erweitern. Und das Mainzer Reinigungsmittelunternehmen ruht sich nicht auf dem Erfolg aus, sondern plant schon weiter: Zukünftig sollen die flexiblen Kunststoffverpackungen nicht nur vollständig recycelbar sein, sondern im nächsten Schritt auch selbst aus recycelten Materialien bestehen. Doch erst wenn ausreichende Mengen an Verpackungen in die Wiederverwertung gehen, die den Design for Recycling Richtlinien entsprechen, kann diese Verpackungslösung mit Recyclat gefertigt werden und so aktiv den Einsatz von Neuware einsparen. „In dieser Henne-Ei-Situation bieten wir mit dem Beutel einen Grundstein und hoffen auf Nachahmer – denn im Hinblick auf den Klimawandel ist eine deutliche Erhöhung der Recyclingquoten alternativlos“, so Werner & Mertz-Inhaber Reinhard Schneider.

Die wichtigsten Informationen zum Standbodenbeutel haben wir in einem Factsheet für Sie zusammengefasst.

Factsheet (PDF, 3MB)

Die Entwicklungsgeschichte des patentierten Standbodenbeutels

Die Innovation ist das Ergebnis einer Idee, die bereits lange auf der Agenda von Werner & Mertz stand. „Schon im Jahr 2014 haben wir bei Werner & Mertz nach „Einstoff-Konzepten gesucht“, schildert Sander die Entwicklungsgeschichte. Ziel war ein Beutel aus Monomaterial statt der üblichen Multi-Layer-Produkte, der mit bereits existierenden Technologien bedruckt und abgefüllt werden konnte. Schnell habe sich aber abgezeichnet, dass die gesteckten Ziele nur gemeinsam mit einem Verpackungsspezialist zu erreichen seien, so Sander. Diesen fand Werner & Mertz in Mondi. „Es ist kaum mehr möglich, dass ein einzelnes Unternehmen eine solche Innovationsleistung alleine vollbringt. Um Verpackungen für die Kreislaufwirtschaft zu verwirklichen braucht es ein Netzwerk und wir – Mondi und Werner & Mertz – waren bereit, uns der Herausforderung zu stellen“, erläuterte Thomas Kahl, Projektmanager EcoSolutions von Mondi Consumer Packaging.

2015 gründeten die beiden Unternehmen eine Projektgruppe gemeinsam mit dem Grünen Punkt , EPEA Switzerland und cyclos-HTP . Die drei Partner unterstützten die Entwicklung sowohl mit Beratung zur Materialauswahl als auch der Bestätigung der tatsächlichen Kreislauffähigkeit des Beutels sowie die Integration in bestehende Recyclingstrukturen. In der Entwicklung galt es für alle Beteiligten aber zunächst herauszufinden, was „Design for Recycling“ tatsächlich bedeutet – selbst die erfahrenen Verpackungsexperten mussten hier konsequent lernen, das Produkt auch von seinem Ende her zu denken. Nach einer engagierten Entwicklungszeit wurde 2017 aus dem Material Polyethylen ein stabiler und vollumfänglich nutzbarer Standbodenbeutel realisiert.

Und nach Überwindung aller notwendigen bürokratischen Hürden konnten Mondi und Werner & Mertz 2018 die Neuentwicklung in der Öffentlichkeit vorstellen. Im Handel sind die ersten Beutel seit November 2019 erhältlich.